Quickshot /Wildnis. Aber wo? Nach dem Volksbegehren

Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ für den Artenschutz, ist abgeschlossen, auch wir haben unterzeichnet. Ich freue mich sehr über das gute Ergebnis.

Es zwingt die bayerische Regierung dazu, irgendetwas zu unternhemen, irgendeinen Impuls in die gewünschte Richtung zu setzen.

Aber ich bin hier so so pessimistisch.

Weil ich hier wortwörtlich nur von Menschen umgeben bin (ein paar Freunde in den Dörfern rundum ausgenommen), die vielleicht unterzeichnet haben, aber denen der Naturschutz ansonsten egal ist. Oder das Konzept von Natur überhaupt?

Gestern nutzte ich das sonnige Wetter, um mich auf die Terrasse zu setzen. Ich wollte nur ein bisschen still dort sein, mich umsehen und hören, was sich so tut. Dass das Vogelgezwitscher nur zu hören war, wenn Schleifmaschinen und anderes Gerät in der Umgebung kurz aussetzten, ok, geschenkt. Was mir mehr zu denken gibt, ist die Philosophie aller Gärten hier. Gegenüber: Steinmauer, Steinterrassen, Rasen. Alle Nachbarn: Rasen plus gemulchter Strauchbereich. Alle russischen Nachbarn: Rasen, abgezählte Schmuckblumen, militärisch bewachte Gemüsebeete. Ein Kiesgarten mit Nadelbauminterieur. Ich verstehe das nicht. Da ist Freude nur über „schöne Gärten“, also nur über das, was so wächst, wie es im Katalog präsentiert wurde. Die Nachbarn freuen sich über Obst, das kein Vogel oder kein Käfer ergattern konnte, über Bienen, die süß brummeln, über Rosen und andere Blumen, die immer sofort ausgeschnitten werden, damit ja kein brauner Fleck da ist und die Pflanze dazu getrieben wird, gleich nachzublühen. Ich hab noch in keinem Gespräch mit ihnen gehört, dass es jemand schön findet, neue Pflanzen zu entdecken, herauszufinden, wie sich der Garten zum Tel selbst organisiert oder neue Insekten kennenzulernen. Oder es bereichernd findet, alles einfach neugierig wahrzunehmen. Das ist doch auch Umgang mit der Natur, oder nicht?

Bin nur ich so komisch, daß ich Tiere und Pflanzen als Lebewesen empfinde?

Naja, genug vor mich hingeschimpft. Die berühmten Blumenwiesen sind in meiner Nachbarschaft jedenfalls nicht zu erwarten, die Leute wollen schöne Gärten mit viel Kontrolle und wenig Überraschung. Also mein Fazit ist und bleibt, der Staat muß sich kümmern. Wenn nicht Regeln vorgegeben sind, sind die Menschen überfordert damit, durch ihr Verhalten etwas zu ändern.