Gregorina Stavac

Wenn man hier mal angekommen ist, ist alles Vorherige nicht mehr wichtig.

Als ihr mich gefunden hattet… Das war an einem Montag, früh um fünf, in der Kälte. Mein Blumenlieferant fand mich, und ich war schuld, daß er an diesem Tag nichts mehr ausliefern konnte. Entschuldigung, Kurti, wir waren immer nett miteinander. Nur, ich hab mir das auch nicht ausgesucht.

Aber wie gesagt, es macht mir auch nichts mehr aus. Wenn man in der Ewigkeit angekommen ist, was sind dann zwei Wochen? Ich erinnere mich nicht mehr, ob ich die Zeit als Zeit gesehen habe. Ich erinnere mich daran, dass eure Trauer und euer schlechtes Gewissen mir wie ein schlechter Atem entgegenschlugen. Wäre ich noch am Leben, mir wäre schlecht geworden.

Und wozu? Wozu dieses schlechte Gewissen, von euch?

Ich kam als Fremde zu euch, und fremd bin ich geblieben.

Werde ich hier wohl Frau Meindl wiedersehen? So, wie der Herr Pfarrer uns in der Bibelstunde das ewige Leben ausgemalt hat, als ein Wiedersehen der Seligen bei Gott? Frau Meindl, ich habe nichts vergessen. Ich habe Ihren Garten weitergepflegt, und denken Sie Sich, Ihre Rosen, sie blühen noch! Jedes Jahr legte ich Ihnen eine auf Ihr Grab. Leider, das hört jetzt auf… Und alles, was Sie mir beigebracht haben, habe ich in meinem Laden beherzigt, und meinen Kunden erklärt. Hat Gott Sie selig? Wirklich?

Ich dachte, die Blumen und ich, wir verstehen uns. Und alle Menschen lieben Blumen, und vielleicht liebt jemand dann auch mich. Naja, war nicht so der Fall. Bei der Beerdigung, da habe ich aufgepasst, da waren welche traurig, auch Männer, das hätte ich nicht gedacht. Aber vorher, in meinem Laden. Ich habe mich daran gewöhnt, aber ich habe es nicht verstanden. Ich dachte, Menschen, die Blumen kaufen, machen etwas Schönes, sie freuen sich. Aber fast alle waren nur in Eile, und in Sorge, das Geld und die Schönheit sollten passen, man will sich ja nichts nachsagen lassen. Soviel Geschacher, soviel unzufriedene Blicke, Tag für Tag. Und weil die Menschen immer weniger galant wurden, und ich immer weniger mit ihnen und immer öfter nur mit meinem Blumen gesprochen habe, kam dann eben keiner mehr. Nur selten noch.

Mir war es recht. Sollte halt so sein.

Und zwei Wochen länger einsam, nach 38 Jahren, ach Gott.

Hier gibt es keine Blumen.

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Gedankensplitter /Die Musik macht den Ton…

…oder wie sind wir alle so kindisch geworden?

Ich bin alle paar Wochen bei einer Art Frauenstammtisch. Nach dem letzten Treffen war ich ein paar Tage wie erschlagen. Schon nach den ersten Minuten dort wollte ich sofort wieder weg, es war so laut, so kreischig und überdreht. Es ist immer so, dass ich nach der ersten Stunde abbaue und nur noch durchhalte, aber diesmal war es ein einziges „Hoffentlich-ist-es-bald-aus“.

Ich verstand erst später, warum. Sonst treffen wir uns im Lokal, diesmal war es privat, im Garten. Und im Lokal achten die Frauen wohl darauf, nicht zu laut zu sein. Im Garten dagegen hielten sie sich nicht zurück. Nicht mit der Lautstärke, nicht mit dem Ton, in höchsten Tönen wurde gequietscht und gekreischt, schneidend, ich empfand es als Schmerz hinter den Ohren. Leider hielt auch keine mehr mit fremdenskeptischen Äußerungen hinter dem Berg.

Aber, meine Damen, seid Ihr euch sicher, dass ihr das alles so wollt?

Ich saß bei euch, sah euch zu, und sah nur oberflächliche Zufriedenheit. Gerade du, liebe Gastgeberin, hast du deine Meinung gesagt oder nur deinen Mann zitiert, der nur sich selbst und seinen bayerischen Dorfhabitus gutheissen kann? Hat sich eine von euch wohlgefühlt an diesem Nachmittag und irgendetwas gesprochen, was von Belang war? Und wenn nicht, und ihr wart offensichtlich nicht entspannt, warum tut ihr das?

Paradox ist, im Lokal sind die Gespräche ernsthafter, das Zusammensein gemütlicher und der Austausch bringt etwas, obwohl der Raum nicht privat ist…

Und ja, die Fremden.

Ich verstehe: dass menschliche Gewalt bedrohlicher ist als Autounfälle etc.. Denn ein Mensch, der sich für den Terror entschieden hat, wird seine Möglichkeiten aktiv nutzen, zur Tat zu kommen. Und er will anderen Menschen schaden. Diese ganzen Vergleiche, das ganze Aufrechnen, gegen andere Gefahren, gegen anders motivierte Gewalt, bringen nichts. Gegen ein Unglück kann man sich schlecht schützen, gegen absichtliche Gewalt, die einen selbst persönlich bedroht, vielleicht doch. Angesichts menschengemachter Gewalt ist menschlicher Zusammenhalt wichtig, das verstehe ich auch. Sich abzusichern: seht ihr das auch, lehnt ihr das auch ab, wehren wir uns gemeinsam? Und gleich reden, gleich argumentieren, das fühlt sich doch schon mal nach Unterstützung an.

Ich verstehe nicht: warum denkt ihr, eure Kreischargumente seien Argumente? Ich kann keinerlei Logik erkennen. Ja, mehr Menschen bedeuten mehr Straftaten, gewaltgewöhnte, traumatisierte junge Männer sind hoch gefährlich. Aber sonst? Ich kann eure Argumente nicht mal mehr erinnern, ich erinnere nur noch einen Eintopf, der alle paar Minuten umgerührt wurde, und die gleichen Kartoffelbrocken wurden von einer auf die andere Seite und wieder zurück gewendet. Alles gleich versuppt, Kopftücher, Ramadan, japanische Touristen, Sprachschwierigkeiten, Frauenverachtung. Ich höre nur „so geht das doch nicht, das muss so wie wir!“

Ich gestehe aber auch: ich ärgere mich selbst jeden Tag ein paar Mal über mich selbst, wenn ich auf die gleichen Argumentationsschienen verfalle. Weil sie sich sofort richtig anfühlen, mich bestätigen, den wohlbekannten Effekt erzeugen: guck, der da, so doof, wie kann man so blöd sein, wie gut, daß wir die Gescheiten sind. Ich ärgere mich über jeden Post, den ich like oder weiterverbreite, und der doch nichts anderes ist als Häme, Herabsetzung oder schiefer Vergleich.

Und dieses, in meinen Augen, kindische (nicht!! kindliche), emotionale, unlautere Verhalten wird einem leicht gemacht. Es ist nur die Zeit für kurze statements, schon ein 2 Minuten Video oder Text geht sich selten aus, komplexe Gedankengänge müssen schon im Ansatz bekannt sein, sonst gehen sie unter. Man setzt sich aber unter Druck, sofort mit einer Meinung zu reagieren, wenig ist lästiger als einen tweet von vor zwei Tagen nochmal zu suchen, weil man sich die Zeit genommen hat, zu reflektieren. Und die ganzen scheinbaren leichten Opfer, die Nazis mit ihren Rechtschreibfehlern, die geistig beschränkten Aluhütler oder der notorische Trump… die sind doch nur so leicht zu verhöhnen, weil immer wieder die gleichen Schwachpunkte vorgeführt werden, in Dauerschleife. Und was bringt diese Art von „Kritik“? Gar nichts. Wenn man sich auseinandersetzen will, muss man aber den Gegner als Ganzes ernstnehmen. Was würde wohl passieren, wenn man den Versuch ernsthaft wagt? Ich weiss es nicht. Nur, dass es sehr anstrengend sein würde und einem abverlangt, zu überlegen und eigene blinde Flecke zuzugeben. Im Privaten ist das so, und im Politischen bestimmt auch.

Wie gesagt, ich schaffe das auch nicht. Ich gebe die gleichen unlauteren Argumente, die nur scheinbar nutzen, weiter, und spiele also auch mit bei diesem Stück, der Internetmelodie „schnell reagiert ist genug gedacht“, die dann wieder für die anderen den Ton vorgibt…

Quickshot /Je ne suis pas Ella

Eine Woche voll Aufregung, und wahrscheinlich liest das hier niemand mehr. Zu viele Kommentare gibt es schon dazu, zu dieser Serie namens #EllaSchoen, die im ZdF gelaufen ist.

Ich gebe zu, ich habe sie nicht mal ganz gesehen. Auch nicht alle Beiträge dazu gesehen. Ich wollte mir die Zeit dafür nicht nehmen, mir waren andere Dinge wichtiger. Ich gebe auch zu, ich habe keine eindeutige Meinung dazu.

Ich hab Ausschnitte aus den Interviews mit Annette Frier gesehen, der Hauptdarstellerin. Eine scheinbar recht fröhliche und resolute Dame. Gerade im Interview mit Dunya Hayali kommt bei mir an, daß mit dem Film ein positiver Ansatz verbunden war, ein Versuch, optimistisch auf das Thema zuzugehen, etwas Aufmunterndes daraus zu basteln. So kommt es auch in den tweets der Beteiligten rüber. Soweit verstehe ich es, und freue mich über die Absicht.

Aber, ach, gut gemeint ist halt meistens dann doch daneben gegriffen…

Ich hab versucht, Teile anzusehen. Ich hab jedes Mal wieder ausgeschalten.

Nein, ich bin nicht Ella. Ella ist eine Frau, so roboterhaft und schroff, daß es mir gruselt. Ich versuche mein ganzes Leben lang, genau so nicht zu sein. Wäre ich so, wäre mein autistischer Kern früher entdeckt worden. Tatsächlich mußte ich dazu 40 werden. Das ist das erste, was an dem Film wehtut: daß das Bild von Autisten auf dieses festgefroren wird. Eine Frau, die schroff ist und weder anders sein möchte noch es kann. Die über ihre Zwänge und ihre Einstellungen nicht reflektiert und ihrer Umwelt keinen Millimeter entgegen kommt. Jemand, über den man leicht lachen kann, den man sofort mit Verachtung ablehnen kann.

Oder manchmal bin ich auch Ella? Kann auch sein. Kann sogar gut sein, daß ich manchmal auch schroff wirke. „Unnahbar“ ist mein zweiter Vorname von Leuten, die mich – und ich sie – gerade erst kennenlernen. Und das heißt, aufgemerkt: so bin ich IM STRESS. So bin ich, wenn ich keinen Zugang finde, wenn ich mich und die Situation irgendwie im Griff behalten muss. So bin ich nicht privat, in der Arbeit, wenn ich mich wohlfühle, wenn ich vertraut bin.

Das hätte ich mir gewünscht: daß in so einem Film auch meine guten Absichten, meine sozialen Wünsche vorkommen. Daß spürbar wird, was ein Autist braucht, um in Kontakt sein zu können. Daß diese schroffe Oberfläche, diese scheinbare Roboterhaftigkeit und scheinbare Empathielosigkeit als scheinbar erklärt wird. Nur so können doch sog. „normale“ Menschen überhaupt zu mir wollen?

Denn ich habe soziale Bedürfnisse. Ich kann allein sein, no problem. Und die Menschen in der dritten Welt können auch hungern, no problem. Ist Alltag. Aber ein schönes gesundes Menü wäre ihnen lieber. Mir auch. Mir wäre ein Stammtisch auch lieber, Frauen, die mit mir in Sport gehen, Kollegen, mit denen ich mittags spazierengehe. Flirts. Ich kann es nur nicht gut genug, um es herzustellen.

Und ich habe ein Bedürfnis nach so etwas wie „Wahrhaftigkeit“? Es macht traurig, so wenig Chancen für mich und andere Autisten, als die Personen, die wir sind, gesehen und gemocht zu werden. Denn unser Charakter ist still, wie eine unscheinbare Wiese, mit Kleinigkeiten, die man langsam entdecken muß. Was kaum passiert, denn auf dem Weg zur Wiese stehen diese eindrucksvollen Felsformationen namens Empathielos, Unhöflich oder Superschlau (oder Supergedächtnis, Inselbegabung, Routine, Zwang, Spleen…), und alle Welt starrt an den Felsen hoch und kann den Blick nicht davon lösen…

 

Gedankensplitter /#notme

War die letzte Zeit unregelmäßig online, mit längeren Pausen als sonst. Teils hatte ich keine Zeit, teils wollte ich nichts im Netz.

Brauchte auch Pause von diesen ganzen Themen und Menschen, die scheinbar nur aus ihren Emotionen und Interessen heraus agieren. Das macht mich erst ungläubig, dann aggressiv, dann müde und dann lustlos, wenn Menschen und ihre Denksysteme völlig losgelöst kreisen und für Rationalität nicht mehr erreichbar sind.

Geschenkt, daß der Florida 17fache Mörder wohl Autist ist. Und viele nicht raffen, ein Mörder wird zum Mörder nicht dadurch, oder durch Depression, oder Islam oder whatever. Sondern durch weitere Umstände, in Form einer Erkrankung, oder von aussen, die ihn lehrten, das Leben ist nichts wert. Psychopathie, Kränkung, Angst vor Vernichtung. Jeder Mensch könnte so weit kommen.

Ich mag auch nicht mehr meinem Bekannten auf Facebook dabei folgen, wie er paranoid wird. Vielleicht hat er schon sein Reichsbürgerwehr-Gewehr gebunkert? Was er verlangt, verwehrt er anderen. Unser Rechtssystem ist ihm zu korrupt, aber Yücel darf ruhig verrotten ohne Prozess. Nur als Beispiel für eine Haltung, die mich machtlos daneben stehen läßt.

Mir ist auch #MeToo teilweise zu extrem. Ich finde schon, Übergriffe gehören offen gelegt und laut angezeigt. Und Nein ist Nein. Und Systeme, die auf Stillschweigen gebaut sind, müssen weg. Und es muss Einigkeit sein, dass es um Macht geht. Nicht um Sex. Wenn es um Sex ginge, wären krasse Übergriffe schlimmer. Aber auch ein Missbrauch, der nach gar nichts aussieht, weil “nichts passiert ist“, kann zerstörerisch wirken. Weil es um Macht, also Hilflosigkeit, und um Definition geht. Und jeder soll lernen, und dabei unterstützt werden, Nein zu sagen und Bedingungen abzulehnen. Trotzdem will ich weiter Kevin Spacey Filme sehen. Weil ich die Filme und seine Schauspielerei schätze. Und ich will Zugang zu alten Gemälden und Büchern. Natürlich gibt es dort viel verstörendes zu sehen und zu lesen, fast nichts in der Kunst ist politisch korrekt. Eben. Kunst ist nicht dazu da, unkritisch in den Himmel gelobt zu werden. Weil jeder wissen kann, dass andere Zeiten und andere Menschen andere Ansichten hatten. Das macht mich doch zur Person, mich damit auseinanderzusetzen, mich abzugrenzen, um so mein Ich zu finden. Und ich will beim Sport dem Herrn neben mir durchaus weiterhin auf den Bauch oder Po linsen und mich daran erfreuen. Und zwar so lange, wie ich ihn nicht in Verlegenheit bringe, oder er eine Grenze zieht.

Nur Beispiele dafür, wie ich ab und an Abstand brauche von der Kopflosigkeit und Hysterie, die letztendlich genau so eine Art Gruppendruck aufbaut, wie sie vorgeblich ablehnt.

Quickshot /Dustin, nein Dust in the wind

Ok, das könnte jetzt kompliziert werden…

Neulich lief „Die Reifeprüfung“ im TV. Ich hatte den Film noch nie gesehen, das Thema sprach mich nicht an. Diesmal dachte ich, warum nicht, er wird so oft gelobt, ist doch vielleicht nett, den Soundtrack von Simon & Garfunkel im Original zu hören.

Ich konnte ihn nicht ansehen. Ich schaltete nach 15 Minuten ab.

Ich hatte Dustin Hoffman früher als Rain Man gesehen, und die Art, wie der junge Ben in sein Zuhause weniger zurückkehrt, als -irrt, konnte ich nicht ertragen, weil sich in mir mein autistisches Gefühl vordrängte. Es erinnerte mich zu sehr an mich selbst, ich war vollkommen in diesem Gefühl. Das Gefühl, in einer Gesellschaft orientierungslos herumzuirren. Es funktioniert irgendwie, ich komme dahin, wo ich hin will und mache das, was nötig ist – Ben findet sich ja auch irgendwie zurecht – aber es ist alles so verwirrend.

Es schob sich ein anderer Film in meine Erinnerung, den ich neulich zufällig gesehen hatte: Lost in translation. Auch da identifizierte ich mich sofort mit dem Hauptdarsteller, Bill Murray. Auch er hat einen Ort, eine Aufgabe, er tut, was er zu tun hat und redet, mit wem er reden muss. Aber er findet keinen Bezug zu diesen Menschen, auch nicht zu seiner Frau, mit der er telefoniert. Die Kollegin, die Prostituierte, die Werbeleute – er steht daneben, beobachtet alles und findet keinen Sinn. Und wenn es einen Sinn haben sollte, ist er davon ausgeschlossen. So wie Ben zwischen den künstlichen Masken und seltsamen Spielchen der Haute volée um ihn herumläuft und nur weg will. Bill, immerhin, findet eine verwandte Seele, unverbindlich, auf Zeit.

Etwa so, wie ich vielleicht von Zeit zu Zeit froh bin, verwandte Seelen im Netz zu finden, wissend, das ist nicht wirklich ein Anker, und nicht mein Alltag.

Den Rest der Zeit (na gut, 95%) betrachte ich die Menschen (na gut, 95%) und ihre Rituale und rätsele: geht es ihnen gut mit ihren Masken? Den Anzügen, den Makeups, der Aufgedrehtheit, den Interaktionen, die nur bestimmten Zwecken dienen, den demonstrativen Gefühlen, die nicht von innen kommen, sondern etwas bezwecken sollen.

Geht es den Menschen gut so, in der völligen Anpassung?

Die Menschen würden antworten: aber ja doch, das ist doch gerade schön, etwas miteinander erleben. Genau das ist doch Gemeinschaft.

Und ich verstehe euch ja: ihr bietet mir eure Gemeinschaft an, und immer wieder verlasse ich euch. Scheinbar ohne Grund. Ich gelte als gutmütig und freundlich, und ihr könnt euch nicht erklären, woher mein Missmut und meine Ungeduld kommen.

Für euch scheinbar aus dem Nichts. Für mich daher, dass ich versuche, einen festen Platz zu finden, wo ich mich ansiedeln kann. In Wirklichkeit bin ich irgendwo und nirgendwo, wie Staub im Wind. Das seht ihr aber nicht und ich verstehe, warum ihr euer Interesse verliert an mir.

Man müßte einen Begriff finden für diese spezielle Melancholie und Verlorenheit. Mit Depression oder sozialer Phobie hat sie wenig zu tun.

Gegen die ?Sucht?

Twitter, so wie andere regelmäßig aufgesuchte Internetseiten, ist ein angenehmer Zeitvertreib, und manchmal auch mehr als „nur“ Zeitvertreib. Ich nutze das Internet gern und häufig.

Als süchtig würde ich mich aber nicht bezeichnen. Sucht impliziert Kontrollverlust und Vernachlässigung oder Schädigung wichtiger Lebensbereiche, wie Arbeitsleistung, Gesundheit oder Sozialleben. Das trifft auf mich nicht zu: Es gibt Zeiten und Orte, die sind absolut und immer offline, und wo schon wenig Sozialleben war, kann es auch nicht beeinträchtigt werden.

Trotzdem habe ich mich jetzt entschlossen, die Verfügbarkeit von Internet noch weiter zu regeln. Denn es gibt so viele Zeiten, die ich nutzen könnte, nur für mich, für meine eigenen Interessen. Weil es aber schneller geht, zum Smartphone zu greifen, habe ich immer wieder nur so getan, als ob ich etwas Kreatives anfange, in Wirklichkeit war ich alle paar Minuten abgelenkt und unterbrochen. Auch von der Familie, denn wenn ich mitten im Haus sitze, bin ich auch sofort für sie verfügbar, und wann immer eines der Kinder z.B. ein Glas Wasser holt, ist meine Aufmerksamkeit dort.

Ob es aber um Schreiben, Lesen, Zeichnen, Sport geht: dafür braucht es zusammenhängende Zeit und Konzentration. Deshalb hab ich mich jetzt aufgerafft, habe mir abseits der Restfamilie einen alten Tisch und Stuhl aufgebaut, mein Zeugs dort versammelt. Das Smartphone hat dort Hausverbot.

Ich möchte mich daran gewöhnen, bewußt dort hinzugehen, wenn ich Zeit habe. Und ich möchte mir dort wieder die Freiheit im Kopf zurückzuholen, die ich lange, lange vor der Familie mal hatte…

Quickshot /Nichts gewußt

Es geht rund in den sozialen Medien: täglich kommen dutzendfach Appelle bei mir an, Erinnerungen, Warnungen. Alle beziehen sich auf politische Gefahren. In meiner TL hundertfach Voraussagen, die Situation werde sich in Deutschland, anderswo in Europa, und jetzt auch !!! in den USA, zwangsläufig in Richtung Faschismus bewegen. Parallelen werden gezogen, Dokumente verbreitet, Zeitzeugen herangezogen.

Über  all dem liegt der Appell: „Jetzt hinschauen! Nie wieder soll eine Generation sagen können, sie habe nichts gewußt!„.

Ich habe mir im Schnelldurchlauf überlegt, ob ich irgendwo in meinem Leben schon einmal mit dieser Behauptung konfrontiert war. Ob Verwandte, Bekannte,  auch Patienten mich je bekümmert angesehen haben und mir erklärt haben, sie hätten im 3.Reich leider nichts wirklich mitbekommen.

Das erste, was mir einfällt, sind meine Kinder zu Besuch bei sehr alten Verwandten. Sie haben eben rausgefunden, daß ihr Großvater im Weltkrieg gekämpft hat und interniert war, und sie fragen ihn aufgeregt und ohne Scheu aus. Er antwortet auch ohne Scheu.

Kurze Sequenzen, als das Gespräch mit älteren Verwandten auf die Nazis kommt, weil (damals) die Republikaner durchstarteten oder es (heute) um Flüchtlinge geht.

Dann fallen mir viele einzelne Begegnungen mit den Personen ein, die mir in meinem Arbeitsleben ihre Erinnerungen erzählt haben. Sporadisch und kurz früher, im Altersheim, häufiger und ausführlich in den letzten Jahren, wenn alte Patienten mit mir als Psychotherapeutin ihre Lebensgeschichte Revue passieren ließen.

Was ich nie gehört habe, war eben dieser Satz: „Ich/wir habe(n) von nichts gewußt.“

Was fast immer der Fall war: die Menschen erzählten mehr oder weniger freimütig und offen über ihr eigenes Leben. Sie kamen auch immer auf die Sache „mit den Juden“ zu sprechen. Nur wurden ihre Berichte immer einsilbiger und diffuser, je mehr es um die Vernichtungspolitik ging. Sicher, weil das meist Dinge waren, die sie selbst nur gehört hatten und nicht selbst erlebt. Auch sehr wahrscheinlich: weil diese ganze Gesellschaft noch nicht gelernt hat, über den Rassen- und Vernichtungswahn zu sprechen. Die dazugehörigen Taten direkt zu benennen, und die eigene Beteiligung noch dazu. Sie hat es nicht gelernt, Entnazifizierung und Demokratisierung zum Trotz. Nein: die meisten Menschen wissen hier gar nicht, wie das geht, daß es überhaupt geht, über Dinge zu sprechen, die wehtun, die Horror auslösen, und die einen verletzlich und angreifbar machen. Man versuche, mit einem beliebigen älteren Mann über etwas zu sprechen, was er falsch macht: Hölle! Vorwurf! Gegenschlag! Man versuche, Schmerz und Trauer in ein „normales“ Gespräch zu holen: Flutsch, weg, schnell zum nächstbesten Allgemeinplatz gesprungen.

Was ich daher in Gesprächen über Deutschlands Vergangenheit immer erlebte: einen ganz bestimmten, bedrückten und beschämten Gesichtsausdruck. Ein Gesicht fällt buchstäblich in sich zusammen, in die Ausdruckslosigkeit, die Mundwinkel zittern zaghaft. Die Stimme, die sagt „als sie die Wohnung des Juden geleert haben“, ist vernuschelt, leise, und bedeutet: „Darüber sprechen wir jetzt aber nicht wirklich weiter!“. Die Augen gucken nicht direkt zu Boden, sie gucken gleichzeitig zur Seite. Stille. Schweres Atmen. Entkommen wollen, in ein anderes Thema.

Und eben diesen Gesichtsausdruck und diese Art, zu verstimmen, finde ich oft, wenn Menschen Ungerechtes oder Peinigendes angetan wird. Sei es, jemand erzählt, wie er Zeuge  von einem aktuellen Mobbing wurde, sei es etwas Schlimmeres, sei es „nur“, daß man erzählt bekommt, wie ein Kind geschlagen oder runtergeputzt wurde. Oft dieses Wegsehen wollen, nicht darüber sprechen können. Weg kommen die Menschen dann oft mit der Bemerkung: die Beteiligten werden schon selber wissen, sie müssen sich selbst kümmern. Oder jemand anders muss sich kümmern. Irgendwer, nur nicht der, der gerade erzählt. Privat ist privat.

So erlebe ich es oft.

Aber: nicht immer! Bei weitem nicht. Das gibt mir Hoffnung. Und damit habe ich zwar hier ausführlich erklärt, daß meiner Erfahrung nach das Bekenntnis „Wir haben nichts gewußt!“ eher selten ist. Der Folgerung „Seht hin! Augen auf, Ohren auf, Mund auf, so oft ihr könnt!“ schließe ich mich dagegen voll und ganz an.

Quickshot /Kleines Lob , nur leicht vergiftet

Herzlichen Glückwunsch, Herr Trump! Sie haben Ihr Ziel erreicht! Toll haben Sie das gemacht, fantastisch! GREAT!

Nie sah die Welt einen amerikanischen Präsidenten, der es ernster meinte und seine Aufgabe entschlossener anging als sie.

Nie sah die Welt einen furchtloseren amerikanischen Präsidenten.

Sie haben es wahrlich allen gezeigt! Sie haben gezeigt, daß ein handlungsfähiger Mann jederzeit tun kann, was getan werden muß. Und Sie haben gezeigt, daß dieser Mann nicht auf Bestätigung warten muß. Was richtig ist, ist richtig. Nicht wahr?!?

Jeder auf dieser und auf den künftigen Welten weiß jetzt: Ja! Donald Trump meint es ernst! Er ist kein Schwächling und kein Weichei, er ist der Größte. Der Beste. Der Anbetungswürdigste.

ER KANN ES!!!

Sie brauchen niemandem mehr etwas beweisen, niemals mehr…

Jetzt können Sie zufrieden abtreten. Den restlichen Kleinkram können die erledigen, die dafür geschaffen wurden. Früher oder später wird ein Idiot sowieso ihr wunderbares Werk beschädigen, so ist die Welt. Aber jetzt gerade strahlt es so schön.

Lehnen Sie Sich zufrieden zurück und betrachten Sie es.

Ihnen wird der Nachruhm auf ewig bleiben. Und die Möglichkeit, sich zu Dagobert Trump, dem reichsten Ent…äh Mann der Welt weiterzuentwickeln. Wir sind schon sehr gespannt darauf, ob Sie das wohl auch hinbekommen? Einmal on top der Forbes-Liste? Das wird kein Zuckerschlecken, das wird ein harter, harter Job – aber hey, wer soll das schaffen, wenn nicht SIE?

 

Buch&Welt

Der erste Autist, von dem ich außerhalb meiner Familie erfuhr (von dem abgesehen, der das Thema zufällig indirekt ins Rollen brachte, aber das ist eine ganz andere Geschichte) war Peter Schmidt. Ich stiess auf einen Bericht in der Geo, und las dort darüber, wie er in seinem Studium auf Expeditionen unterwegs war. Auf seine eigene, exakt geplante Art und Weise, aber doch. Und momentan lese ich gerade die  Autobiographie eines Autisten: auch einer, der viel gereist ist, viel Radtouren unternimmt, viel Sport treibt. Immer irgend einen Freund in der Gegend hat, mit dem er etwas unternehmen kann.

Ich bewundere das. Für mich war mein Autismus immer verbunden damit, irgendwo in sicheren Grenzen zu sein, in einem überschaubaren Raum. Auch damit, allein zu sein. Vielleicht aber spielt da die familiäre Prägung doch eine Rolle. Alles, was außer Haus passiert, mußte und muß ich mir allein erschließen.

Ich erinnere mich: während meines ersten Arbeitseinsatzes rüffelte mich ein Oberarzt, weil ich einen arabischen Patienten zu „neutral“ behandelte: „Da muß man doch darauf zugehen! Sich dafür interessieren!“

Naja, es war ja nicht so, daß mich die Welt dieses Patienten nicht interessiert hätte. Aber ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, daß ich ihn befragen kann. Damals.

Und was liegt nun nahe, wenn man einen unterbeschäftigten Kopf, aber wenig Möglichkeiten hat und noch weniger Mut und Kompetenz, in der grossen weiten Welt etwas zu lernen? Richtig, man beginnt eine intensive Beziehung zu Büchern.

So viele schöne Erinnerungen zu diesem Thema. Als Kind las ich jedes Buch im Regal meiner Eltern, die (Eduscho) Kunstbände, die Aufklärungsbücher. Bei Verwandten Romane im Reader`s Digest. Billige Teile, aber ein großes Entdeckerabenteuer für mich. Was für ein Glück, daß mich niemand aus pädagogischen Gründen davon abhielt, den Weißen Hai oder Quo Vadis zu lesen. Die Buchhandlung der alten Frau, mit der Riesendogge unter der Theke. Die Buchhandlung mit den Zeitungen und den tollen Stiften. Grosse Augen im Hugendubel, das erste Mal in der grossen Stadt. Noch größere Augen in der Staatsbibliothek. Die Zeit, als ich in der Bibliothek jobbte und mich durch die Medizinerbücher blätterte. Später dann freundschaftlich verbunden mit einer Buchhändlerin und Einblick in Bücher, an denen ich sonst vorbeigelaufen wäre. Und und und.

Das Klischee besagt „Bücher eröffnen neue Welten.“ Damit konnte ich nie etwas anfangen, das war mir immer ein komischer, aufgeblasener Satz. Ich wollte ja nie in eine neue Welt. Ich wollte in meiner sicheren Welt bleiben.

Dabei ist es genau so, wie das Klischee sagt. Und wenn ich nun sage, ich bin jetzt mittlerweile genauso glücklich,  wenn sich mir Menschen wie Bücher öffnen? Jetzt, da ich mit ungleich mehr Menschen in Kontakt komme. Und nicht mehr davor zurückscheue, zu fragen? Wenn ich sie lesen darf, und nicht nur den Einband, sondern auch ihre Historie und Fußnoten kennenlernen darf? Vielleicht denkt jetzt der ein oder andere Leser: typisch Autist, behandelt Menschen wie bedrucktes Papier. Aber das ist gar nicht gemeint. Was ich gern teilen möchte, ist meine Vorstellung: Menschen öffnen, wie man ein Buch aufklappt oder eine Tür öffnet. Schicht um Schicht kennenlernen. Wissen, daß da immer ein Eck bleibt, das nicht zu entziffern ist oder zwischen anderen Seiten versteckt bleibt.

Vielleicht behandele ich Menschen wie Bücher.Vielleicht trifft auch das Gegenteil zu? Vielleicht behandel ich Bücher wie Menschen? Fühle und leide mit ihnen?

Wer weiß das schon?

 

Quickshot /#allebekloppt

⏩In Thespiai hatte der Flussgott Kephissos die Wassernymphe Leiriope mit seinen Mäandern umschlungen und dann geschwängert, worauf Narkissos geboren wurde, dem der Seher Teiresias nur dann ein langes Leben voraussagte, sollte er sich nicht selbst erkennen („si se non noverit“[2]).

Er wurde von Jünglingen und Mädchen gleichermaßen umworben, war aber von trotzigem Stolz auf seine eigene Schönheit erfüllt und wies all seine Verehrer und Verehrerinnen herzlos zurück. Diese Kränkung widerfuhr auch der Bergnymphe Echo und dem Bewerber Ameinios, dem Narkissos ein Schwert zukommen ließ. Zwar brachte sich Ameinios noch auf der Türschwelle mit dem erhaltenen Schwert um, nicht aber ohne zuvor die Götter anzurufen, seinen Tod zu rächen. Nemesis (nach anderen Quellen Artemis) hörte die Bitte und strafte Narzissos mit unstillbarer Selbstliebe: Als er sich in der unberührten Natur bei einer Wasserquelle niederließ, verliebte er sich in sein eigenes Spiegelbild.

Ovid erzählt weiter: Narkissos erkannte die Unerfüllbarkeit seiner Liebe, ohne dass es ihm etwas nützte: Er verzehrte sich und verschmachtete vor seinem Ebenbild bis zum Tod. Seine letzten Worte wiederholte Echo: „Ach, du hoffnungslos geliebter Knabe, lebe wohl!“ Statt seines Leichnams fanden die Dryaden eine Narzisse.[3]

Pausanias überliefert: Eines Tages setzte sich Narkissos an den See, um sich seines Spiegelbildes zu erfreuen, woraufhin durch göttliche Fügung ein Blatt ins Wasser fiel und so durch die erzeugten Wellen sein Spiegelbild trübte. Schockiert von der vermeintlichen Erkenntnis, er sei hässlich, starb er. Nach seinem Tode wurde er in eine Narzisse verwandelt.[4]

Eine weitere Version berichtet: Narziss verliebt sich in sein Spiegelbild; nicht erkennend, dass es sein eigenes ist, will er sich mit diesem Spiegelbild vereinigen und ertrinkt.⏪

 

⏩Ein Staatssklave, der hinter dem Triumphator auf dem Wagen stand, hielt ihm, heißt es, die sonst im Jupiter-Tempel aufbewahrte goldene Eichenlaubkrone (corona Etrusca) über das Haupt und mahnte ihn ununterbrochen: Respice post te, hominem te esse memento („Sieh dich um; denke daran, dass auch du nur ein Mensch bist“). Der Satz wird auch in geringfügig anderer Form überliefert. (Siehe auch memento mori.)⏪

beides: zit. aus Wikipedia

 

Tag 1 nach dem Video, das nach Jahren aufgetaucht (gemacht worden) ist und Trumps Aussagen über seine Möglichkeiten bei und Ansichten zu Frauen bei einem seinerzeit vertraulichen Gespräch öffentlich machte, und 1 Tag bevor dieser Trump ins nächste TV-Duell gehen wird. An diesem Tag sind die nächsten Ratten auf dem Weg, ihr eigenes Republikanerbeiboot vom sinkenden Trump-Tanker abzusetzen, während gleichzeitig, so sagt es in diesen Minuten sueddeutsche.de, manche seiner Anhänger sogar schwer positiv beeindruckt sind vom Videoclip.

Zufällig sah ich neulich eine Diskussion über Genderismus in der Politik, an die ich mich jetzt erinnert fühle. Dort saßen zwei Medienvertreterinnen und beharkten sich, was man im Sinne der PC beim Flirten sagen dürfe und was nicht. Währenddessen versuchten zwei auf die Thematik spezialisierten Psychologen vergeblich, ihnen klarzumachen, daß sexueller oder emotionaler Mißbrauch nicht vom Wortlaut, sondern vom Beziehungskontext abhängt.

Ich muß nicht betonen, daß ich die beiden Psychologen am besten verstand und mit ihnen oft den Kopf schüttelte. Ich muß auch jetzt innerlich den Kopf schütteln, wenn wieder mal über Trump diskutert wird und (fast) alle Welt ihm auf den Leim geht, indem über seine genauen Worte und Meinungen debattiert wird.

Ein Narzißt (so Trump nur ein solcher ist und nicht paranoid oder sonstwas) ist ein Scheinriese. Je größer der Popanz, den er um sich herum aufbläst, je mehr Aufmerksamkeit er verlangt und bekommt, je kleiner mit Hut ist sein Selbstwertgefühl in Wirklichkeit. Er erträgt alles, nur nicht, mit seiner Angst, unbedeutend zu sein, konfrontiert zu werden.

Wir sollten Trump nicht wegen seiner Mauerbaufantasien fürchten oder weil er fies zu Frauen ist. Wir sollten nicht fürchten, daß er Frauen ungefragt zwischen die Beine fasst: Wir sollten uns davor fürchten, daß er seinem Land ungefragt zwischen die Beine fasst bzw. dem Rest der Welt (uns), wenn er US-Staatschef mit den entsprechenden Möglichkeiten wird.

Und wir sollten uns als westliche Demokratien an die eigene Nase fassen: denn was die Römer schon wußten, verdrängen wir fleissig. Wir sind demokratisch organisiert. Zum  Großteil und bei allem was wichtig ist, funktioniert das. Aber schon in den untersten Gruppen und Hierarchen werden auch bei uns

–  die Selbstverliebten und Selbstbewußten und

– die, die  schon in Geld und Einfluss oben stehen

schneller nach oben befördert. Schon in der kleinsten Gruppe entsteht eine Reibung zwischen den gemeinsamen Zielen, dem Gruppenerhalt und der Anforderung, auch gegenteilige Informationen zuzulassen. Gruppen igeln sich auf eine „Parteilinie“ ein, und wenn dieses innerhalb einer Person passiert, ist das ein narzißtisches Merkmal. Und schon mindestens seit dem alten Rom laufen die Versuche, dem eine Kontrolle entgegenzusetzen, siehe das o.a. Zitat. Demokratie und Gewaltenteilung waren bis jetzt die mächtigsten Kontrollen.

Im Moment sieht es tatsächlich so aus, als ob hüben wie drüben die Demokratie an Boden und Unterstützung verliert.

Vielleicht wäre der beste Ausgang der, daß eine Entzauberung von Trump, Petry, Blatter etc etc dazu führt, daß der Narzißmus, der sich als erstrebenswertes Gesellschaftsideal breitgemacht hat, wieder zur Ausnahme von der Regel wird.