Vorsatz: Fairness

Ausnahmsweise, ein Vorsatz, für 2019 und darüberhinaus. Normalerweise wachsen meine Vorsätze langsam, bis sie reif sind, dieser fällt zufällig mit dem Jahreswechsel zusammen.

Fairness, von mir, für mich. x

Von meiner ausufernden Selbstkritik und dauernden Entschuldigerei, der „dunklen Seite“ auf die „helle Seite“ überwechseln. Weil es jetzt mal reicht.

Es gab Zeiten, da war ich erstaunt, wenn ich es mit irgendeinem Menschen den ganzen Tag lang ausgehalten habe. Es gab Zeiten, da versagte ich in den Praktika als Psychologin, wenn ich spontan einen Patienten etwas fragen sollte. Aber das ist jetzt mein Alltag. x

Beruflich rede ich mit Menschen. Dauernd, und verantwortlich, und ich muss spontan reagieren können, auf die verschiedensten Menschen, Patienten, Kollegen, Krankenkassen etc.. Offensichtlich kann ich das mittlerweile ganz gut. Das Bibelwort „Wer hat, dem wird gegeben“ trifft nicht nur die Begünstigten, die auch noch bevorteilt werden. Es trifft auch Menschen wie mich, die ihre Arbeit pflichtgemäß x und ohne weiteres Aufheben abliefern. Auch ihnen (mir) wird gegeben, nämlich noch mehr Arbeit.

Privat bin ich nie allein. Bevor wir unser Haus bauten, kam ich mit einer Arzthelferin darüber ins Gespräch. Ich merkte mir, was sie sagte: „Ja, bei euch wird es also wie überall, jeder hat sein Zimmer, nur die Mutter nicht!“. Ich kümmerte mich nicht weiter darum, aber erfasste wohl die Bedeutung trotzdem, denn ich merkte mir den Satz. Die Kinder waren da noch sehr klein, und selbstverständlich war ich immer mit ihnen befasst. Aber jetzt merke ich, was dieser Satz bedeutet. Mein Versuch, mir im Haus einen Rückzugsort zu schaffen, hielt keine zwei Wochen lang. Denn, s.o., kein Zimmer nur für mich. Ich bin immer ansprechbar. Ich bin immer unter Beobachtung, was ich mache, kann jederzeit jemand kommentieren. Meine autistischen Kinder sind 98% ihrer Zeit zuhause. Mein NT-Mann versteht sich nicht gut mit ihnen. Gespräche laufen meist über mich. Alle Streitgespräche zwischen Mann und Kindern landen hinterher bei mir, ich darf mir dann beide Seiten klagend anhören. x Ich hör mir ihre Spezialthemen an, ihre sich wiederholenden Fragen, die Sorgen des Mannes, und x toleriere, daß Kind1, wenn es im Zimmer ist, oft hin und her läuft, natürlich auch immer hinter meinem Rücken auftaucht. Ich halte aus, daß Kind2 alle fünfzehn Minuten in der Tür steht, reinguckt, zwei Sätze sagt und dann wieder geht.

Natürlich prägt mich das. Automatisch passe ich mich an; ich stückele meine Zeit, und ich muß mich für „größere“ Projekte, wie diesen Text, dazu zwingen, nicht im Vorhinein schon aufzugeben. Btw, die „x“ sind Störungen beim Schreiben.

Und jetzt ist es also höchste Zeit für mich, das auch als Arbeit anzuerkennen. Als eine Art von Höchstleistung. Für meine Sinne, die keine Stille bekommen. Für meine Konzentration, die immer wieder unterbochen wird. Tatsächlich, jetzt auch wieder x. Für meinen Selbstwert, der sich mit mir kleiner macht, wenn ich meine Bedürfnisse zurückschraube. Für meine psychische Ausgeglichenheit, wenn ich automatisch alle Schwingungen auffange und ausbalanciere.

Zeit also, mir das selbst richtig bewußt zu machen: mein Leben sieht ruhig und auch relativ ereignislos aus, aber was ich tatsächlich aushalte und dann auch noch immer wieder zu einer guten Lösung hinbiege, ist jede Menge. x

Was ich mache, braucht viel Kraft, x aber ich mache es gut. Hut ab vor mir selbst!

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8 Gedanken zu “Vorsatz: Fairness

  1. Es klingt als schreibst du von meinem Leben und so wie du lerne auch ich ganz langsam immer besser zu erkennen was ich da eigentlich so großartiges schaffe und wie unsagbar gut ich das mache. Da dürfte man sich ruhig viel öfter mal auf die eigene Schulter klopfen. Wir beide sind nicht normal verdrahtet, uns fallen selbst Standartsituationen unendlich viel schwerer als anderen und dennoch (X) 😉 schaffen wir es ziemlich gut, oder? Selbst wenn mal etwas nicht perfekt klappt ist und bleibt so ein Alltag samt Job und 0 Auftankmöglichkeiten eine Meisterleistung. Mir hilft manchmal der Blick auf andere Andersartige ohne Kinder die manchmal schier daran verzweifeln daß jemand laut durchs Treppenhaus geht (rüberwink, ja du!), daß der Alltag die ein oder andere spontane Änderung bereithält, daß sofort alles zusammenbricht oder es zuviel Menschenkontakt (X-ich mag diese Zeichen um selber auch mal zu sehen was es schon bedeutet einen Text niedergeschrieben zu bekommen in unserem Alltag) gegeben hat. Ich lächle über sowas heute nur noch milde. Ich will das nicht runterreden, aber wenn ich da hinschaue kann ich plötzlich mich im Vergleich sehen. Ich brauch manchmal diesen Vergleich, dann kann ich oft viel deutlicher sehen: hey, ich bin doch ganz genauso empfindlich wie die und dann sehe ich was ich da für einen Berg an förmlich unschaffbarem schaffe. Dafür darf man sich unendlich viel lobpreisen wie ich finde und es ist ein wunderbarer Vorsatz den ich mir vielleicht auch ganz dringend mal vornehmen sollte. Du bist eine Heldin wie ich finde, eine Heldin und originelle Bezwingerin des Alltags und du gibst so unendlich viel. Ich finde dich toll, so! Und du dich hoffentlich auch endlich mal. X

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