Ach Mutter …

 – die Angst nehmen – ein Kuss vor dem Einschlafen – Kuchen sonntags – das Leibgericht bekommen – Parfum – Umarmungen – ihr Gang, Bewegung, Silhouette, wenn sie das Licht löscht – Lachen – mitfühlende Tränen – stille, haltgebende Anwesenheit – ihre Worte, die einen Rahmen für das eigene Leben bilden –

In dem Buch*, das ich jetzt lese, sind alle diese Merkmale auf einer halben Seite Text aneinandergereiht. Es sind Beispiele dafür, wie und wodurch Menschen sich an ihre Mutter erinnern, was sie mit ihr verbinden. Ich verstehe sie als Beispiele für  Fürsorglichkeit oder Mütterlichkeit. Der Autor zählt sie auf, als er seine, geistig schon etwas verwirrte, Mutter besucht. Er kümmert sich um sie, um ihre Versorgung. Er beschließt, seine Familiengeschichte aufzuzeichnen, woraus sich dann der Roman entfaltet. Er betrauert den Verlust, der sich ankündigt, und genießt die Zweisamkeit und Vertrautheit, die jetzt zwischen ihnen existiert.

Als ich wiederum diese halbe Seite las, wurde ich mit einem Schlag ernüchtert, dann traurig, und ich pendele noch zwischen diesen Gefühlen hin und her.

Meine Mutter ist pflegebedürftig, sie ist dement, ich habe hier  beschrieben, wie es war, als ich sie eine Zeit bei mir beherbergt habe. Seither haben wir sie einige Male besucht, und immer ging es ihr gleich gut in ihrem neuen Heim. Erkannt hat sie uns wohl nicht ganz, aber wir konnten uns zusammensetzen und etwas Zeit verbringen. Mein Mann versteht nicht, warum ich sie nicht öfter besuche als alle paar Wochen, meine Schwiegermutter macht Vorwürfe. Meine Mutter habe mich großgezogen und sich gekümmert und hätte den Dank verdient, das gehöre sich schließlich so. Sicher, meine Unwilligkeit hat damit zu tun, daß jedes Mal ein Tag vom Wochenende drauf geht. Wohl auch damit, daß ich mit ihrer Demenz anders umgehe. Ich weiss ja, es geht ihr gut, und ich möchte sie nicht aus ihrem Rhythmus bringen.

Aber es sitzt tiefer. Als ich die Liste oben las, erkannte ich gar nichts wieder. Nichts. Ich kann mich gut an meine Kinderzeit erinnern: ich war in der Wohnung, in meinem Zimmer, gemeinsam vor dem Fernseher, es gab zu essen, meine Wäsche war gerichtet. Irgendwann wurde irgendetwas Oberflächliches gesprochen. Ich erinnere mich aber an nichts Persönliches zwischen uns. Meine Gefühle blieben bei mir. Kein Kuss, keine Aufmunterung, kein Bemühen, mir Sicherheit zu geben, kein Trost. Obwohl sie es sicher anders wollte. Sie war erschöpft, selbst unsicher in ihrem Leben, in einem fremden Land. Ich war ihr Kind, das ihr immer fremd geblieben ist, so fremd, wie ich mich heute noch fast überall fühle.

Gestern erst war ich auf einer Veranstaltung, zu der mein Mann und ich seit über zwanzig Jahren gehen, mit denselben Teilnehmern. Mir wurde erschrocken bewußt, wie wahnwitzig lange das schon ist, und wie unangemessen mein Empfinden, ich wäre in der Runde nur geduldet. Dabei muß ich in dieser Runde nur einen Millimeter aufmachen, dann spüre ich Vertrautheit und Interesse, ich kann in den Dialog gehen.

Mit meiner Mutter gab es keinen Dialog. Sie verstand mich nicht, und sie machte auch nie einen Versuch, näher an mich heranzukommen. Nicht mit Worten, nicht durch Fragen, nicht durch Interesse an meiner Welt, schon gar nicht durch Zärtlichkeit, sei es in der Berührung, sei es durch ein Anlächeln. Das Resultat daraus heute ist: Fremdheit. Eine Frau, die nett ist, die ich gut und schon lebenslang kenne, der ich aber nicht das Adjektiv „mütterlich“ zuordnen kann.

Manchmal blicke ich auf meine Kinder, die mal mehr, mal weniger mitteilsam sind. Ich habe nie eine Frage von ihnen verweigert. Ich frage vielleicht weniger oft bei ihnen nach, als gut wäre. Aber ich bin da, wir lachen viel, wir sprechen über alle möglichen Themen. Heute vormittag haben wir mehr miteinander geredet, als ich mit meiner Mutter in einem Jahr.

Ich habe Angst, dass es trotzdem nicht reicht. Ich möchte nicht, dass meine Kinder sich emotional allein fühlen.

Was bleibt, ist meiner Mutter gegenüber Pflichtbewußtsein und die Freude, ihr ab und zu etwas Gutes tun zu können. Weil irgendein Schicksal uns zusammengebunden hat, und für den Moment muss das als Motivation genügen.

*Christian Berkel, Der Apfelbaum

 

 

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Quickshot /Bin ich einsam?

Auf den ersten Blick nicht, eigentlich…

Aber mein innerer Besserwisser steht schon stramm und weigert sich, nur ja oder nein zu sagen und spannt schon mal dreidrölfzig Dimensionen von Einsamkeit auf.

Luft holen. Es soll hier nur um das Real Life gehen, Menschen, mit denen ich persönlich zu tun habe.

Also, wenn ich einsam bin, dann ist das gut verdeckt. Ich bin ständig mit Menschen zusammen. Ich bin nicht isoliert, ich habe Menschen zum Reden, zum Chatten, wenigstens ab und zu. Meine Kinder zeigen mir ihre Zuneigung, wir reden viel, und sie unterstützen mich gerne. Kein Vergleich zu meiner Familie, damals. Ich mag sie, aber je weiter ich von damals entfernt bin, desto schmerzhafter wird mir klar, da war wenig Verbindung. Meine Mutter, Stiefmutter, Großmutter: sie standen neben mir seltsamem Mädchen, konnten mit mir nichts anfangen und ließen mich halt einfach so stehen. Sie wussten nichts, gar nichts von mir. So ist es bei meinen Kindern nicht. Da bin ich mir schon sicher.

Es mangelt mir auch nicht an sogenannter Anerkennung. Ich bekomme viel Anerkennung, ich weiss, was ich gut mache und wieviel ich leiste. Ich bin gut vernetzt am Arbeitsplatz, es menschelt dort auf eine angenehme Art und Weise. Und wenn ich von privaten Verabredungen unter Kollegen nichts erfahre, ist es nicht schlimm. Ich brauche Pausen, und ich weiss ja, sie mögen mich. Würde ich mich offensiver kümmern, wäre ich besser eingebunden, aber in meinem Leben hat das keinen Platz mehr.

Im Gegenteil, ich bräuchte mehr Zeiten, in denen ich allein bin, oder wenigstens Zeiten, in denen ich verlässlich allein bin. Denn ich weiss zur Zeit nie, wann ich meine Beschäftigungen unterbrechen muss für die Familie. Inktober läßt grüßen, im Schnitt 2 Minuten pro Bild… Sage mir keiner, ich muss mir die Zeit „einfach nehmen“. Meine Kinder haben keine Freunde. Sie haben mich, und die Katzen. Wenn ich da bin, bin ich ansprechbar.

Einsamkeit fokussiert sich für mich auf folgende Punkte:

  • der Gedanke, was wäre, wenn die tägliche Ablenkung fort wäre. Urlaub, Kinder aus dem Haus, Mann unterwegs. Dann ist da allerdings nichts mehr, dann muss ich mir etwas Neues aufbauen.
  • ab und zu fange ich an, zu vergleichen. Wenn in meinen 2½ Whats App Gruppen lange Pause ist, und ich daran denke, na klar, die brauchen das jetzt nicht, die sehen sich oft genug. Wenn ich ein schlechtes Gewissen bekomme – ich müßte viel öfter initiativ sein. Wenn ich merke, daß bestimmte Kontakte nur funktionieren, weil ich mich anpasse und maskiere. Das fühlt sich einsam an. Dann tröstet mich, daß es auch Gegenbeispiele gibt.
  • und schlußendlich ist es meine Überzeugung, daß am Ende jeder einsam ist. Am Ende heißt nicht nur ganz am Ende des Lebens. Ende ist für mich an jedem Übergang, an jeder wichtigen Entscheidung, die ich treffe. Dort bin ich, wie jeder, allein, mit mir und mit den Konsequenzen meiner Entscheidung. Ich möchte Entscheidungen treffen, sie öffnen mir neue Türen und geben mir Kraft. Aber manchmal bin ich dort auch verdammt einsam.

 

Gregorina Stavac

Wenn man hier mal angekommen ist, ist alles Vorherige nicht mehr wichtig.

Als ihr mich gefunden hattet… Das war an einem Montag, früh um fünf, in der Kälte. Mein Blumenlieferant fand mich, und ich war schuld, daß er an diesem Tag nichts mehr ausliefern konnte. Entschuldigung, Kurti, wir waren immer nett miteinander. Nur, ich hab mir das auch nicht ausgesucht.

Aber wie gesagt, es macht mir auch nichts mehr aus. Wenn man in der Ewigkeit angekommen ist, was sind dann zwei Wochen? Ich erinnere mich nicht mehr, ob ich die Zeit als Zeit gesehen habe. Ich erinnere mich daran, dass eure Trauer und euer schlechtes Gewissen mir wie ein schlechter Atem entgegenschlugen. Wäre ich noch am Leben, mir wäre schlecht geworden.

Und wozu? Wozu dieses schlechte Gewissen, von euch?

Ich kam als Fremde zu euch, und fremd bin ich geblieben.

Werde ich hier wohl Frau Meindl wiedersehen? So, wie der Herr Pfarrer uns in der Bibelstunde das ewige Leben ausgemalt hat, als ein Wiedersehen der Seligen bei Gott? Frau Meindl, ich habe nichts vergessen. Ich habe Ihren Garten weitergepflegt, und denken Sie Sich, Ihre Rosen, sie blühen noch! Jedes Jahr legte ich Ihnen eine auf Ihr Grab. Leider, das hört jetzt auf… Und alles, was Sie mir beigebracht haben, habe ich in meinem Laden beherzigt, und meinen Kunden erklärt. Hat Gott Sie selig? Wirklich?

Ich dachte, die Blumen und ich, wir verstehen uns. Und alle Menschen lieben Blumen, und vielleicht liebt jemand dann auch mich. Naja, war nicht so der Fall. Bei der Beerdigung, da habe ich aufgepasst, da waren welche traurig, auch Männer, das hätte ich nicht gedacht. Aber vorher, in meinem Laden. Ich habe mich daran gewöhnt, aber ich habe es nicht verstanden. Ich dachte, Menschen, die Blumen kaufen, machen etwas Schönes, sie freuen sich. Aber fast alle waren nur in Eile, und in Sorge, das Geld und die Schönheit sollten passen, man will sich ja nichts nachsagen lassen. Soviel Geschacher, soviel unzufriedene Blicke, Tag für Tag. Und weil die Menschen immer weniger galant wurden, und ich immer weniger mit ihnen und immer öfter nur mit meinem Blumen gesprochen habe, kam dann eben keiner mehr. Nur selten noch.

Mir war es recht. Sollte halt so sein.

Und zwei Wochen länger einsam, nach 38 Jahren, ach Gott.

Hier gibt es keine Blumen.

Quickshot /Egoist

In der Timeline entwickelte sich eine kurze Diskussion um die Frage, ob sich Autisten egoistisch verhalten. Am gleichen Nachmittag verbreitete sich die Nachricht eines Todes: Samarie wird vermisst werden, viele fühlten mit ihr, auch ich. Ihre Erlebnisse in der Arbeit, im Krankenhaus… Und das Fuchskind zweifelte plötzlich daran, etwas Sinnvolles zuwege zu bringen.

Und ich, ich kann diese Fragen nicht voneinander trennen. Ich schreibe hier also ein kurzes Statement aus meiner, autistischen, Sicht, aber es könnte jeden betreffen, der, in welcher Form auch immer, Hilfe braucht.

Ich bin schon oft Schmarotzer genannt worden oder für Egoismus getadelt worden. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Ereignisse fallen mir ein. Mir wurde, von verschieden nahen Personen, unterstellt: ich mache es mir leicht, ich zwinge durch meine Passivität und meine Zurückhaltung die anderen dazu, für mich zu arbeiten und meine Aufgaben zu übernehmen. Ich nutze sie aus und manipuliere. Es wurde gesagt, ich liege anderen auf der Tasche, und ich dächte mir gar nichts dabei. Schiefe Blicke, weil ich die Einzige bin, die eine Einladung als solche aufgefasst hat und nicht überfreundlich abgelehnt hat. Die Schwiegermutter, die betont, wie gut ihr Sohn sich doch für die Familie einsetzt, und mir damit reindrückt, daß ich ja ziemlich ansprüchlich bin. Augenrollen, weil der Partner etwas Bestimmtes schon wieder übernehmen soll, was er selbst lästig findet. Oder, einen Schritt weiter: Streit, weil ich den autistischen Kindern Dinge abnehme, von denen ich weiss, daß sie für die Kinder eine besondere Belastung darstellen oder ihre Routine zerstören würden. Was ist dann wichtiger, die Rücksichtnahme auf ihr Wesen? Sie zu zwingen, sich den „Realitäten“ zu stellen, sich an die Anforderungen anzupassen? Erziehe ich die Kinder zu Egoisten?

Das sind ernste Vorwürfe. Solche Konflikte können eine Freundschaft oder Beziehung mit Leichtigkeit sprengen. Wenn einer immer muss, der andere nie tut… Das klingt einfach und eindeutig.

Aber

1. Man muss unbedingt, unbedingt! im Blick haben, daß Autismus schwer sichtbar ist. Also, ich meine, man sieht mir schon an, daß ich irgendwie anders bin, reichlich seltsam. Aber was genau mir Probleme bereitet, sieht man nicht. Und damit kann man nicht verstehen, warum ich bestimmte Hilfen gerne annehme, andere sogar im Moment brauche. Nicht umsonst gibt es Einrichtungen wie den GdB, Inklusion, Pflege, Betreuung. (Nichts davon wird btw von mir und meiner Familie beansprucht.) Aber was man gar nicht versteht, beurteilt man halt gerne aus dem, was man sieht. Was man sieht: eine normal intelligente, arbeitende Mutter, die könnte doch, wenn sie wollte?!

2.Wenn ich etwas nicht tue oder nicht kann oder beides, ist es keine Manipulation, siehe Anfang des Satzes. Ich tue das nicht, um irgendeine Bindung zu festigen oder weil ich Macht genießen will, das wäre eher pathologisch. Egoistisch im engeren Sinne hieße: ich mache das absichtlich so. Ich könnte anders, will aber nicht. Nun ja, ich könnte – meistens – anders. Aber dann kann ich andere, noch wichtigere, Dinge nicht mehr. Ich kann alles lernen, wohl wahr, aber meine Ressourcen reichen nicht für alles. Ich kann den Stress auf mich nehmen, in der Werkstatt oder in der Bank anzurufen und mich durchzufragen. Aber der Einkauf in vier Geschäften samt Smalltalk rundum hat schon gereicht, und den Rest des Tages gibt es Haushalt und Probleme, bei denen ich die Kinder unterstützen muss. Mein Mann hat Zeit, und er hat Vorwissen und er kennt die Leute dort. Ergo, er macht es. Es wäre wohl sinnvoll für mich, das mal zu übernehmen. Aber nicht jederzeit. Oder: die Kinder könnten es schaffen, diesen oder jenen Einkauf zu übernehmen. Ich finde aber nichts dabei, ihre Routinen zu berücksichtigen. Also, ich spreche ab, wann sie es übernehmen, und werfe ihnen keinen Egoismus vor, wenn sie nicht jetzt sofort, spontan, weil ich gerade so will, bereit sind, loszufahren. Mit anderen Menschen würde ich ja auch so umgehen, daß ich beiderseits Interessen und Skills mit berücksichtige…  Was bleibt: ich muss mich mit meinem Partner einigen, wie wir die Dinge aufteilen und wir sollten uns gegenseitig dafür wertschätzen, weil wir wissen, welche Kraft es den anderen kostet. Und danken.

Und 3., ja, das ewige Schuldgefühl, das sich daraus ergibt. In jeder Lebenslage ist man damit konfrontiert, dass einem andere Leute einfache Dinge abnehmen, für die man scheinbar zu faul oder zu blöd ist. Auch nahe Personen werfen es einem immer mal wieder vor.  Dieser Impuls, sich dann kleinzumachen, sich mies zu fühlen, sich für alles mehrfach zu bedanken und sich immer wieder zu entschuldigen, daß man es den anderen so schwer macht. Es steckt tief drin. Dieses Gefühl chronifiziert irgendwann, es begleitet einen immer. Es ruiniert auf Dauer das eigene Selbstwertgefühl. Was man tatsächlich selbst kann und leistet, verschwindet neben den Defiziten. Und auch das bezeugt, daß ich mir die Hilfe nicht einfach egoistisch erschlichen habe. Denn wäre das so, würde ich mich entspannt und selbstzufrieden zurücklehnen und mir ins Fäustchen lachen, wie gewieft ich doch bin. Aber am Ende mit Schuldzetteln beklebt durch den Alltag zu laufen, und selten gut zu schlafen, weil jeder Tag unrichtig ist – das fühlt sich ganz anders an.

Erdung

Wenn von Autisten gesprochen wird, ist gern die Rede von „unnahbar“. So zu sein, ist mir jedenfalls mehr als einmal vorgehalten worden. Oder Autisten beschreiben, sich wie von einem fremden Planeten zu fühlen, wie Aliens, und werden auch so wahrgenommen, als nerdig, seltsam, aussenstehend.

Die Metapher vom Alien hört sich ja ganz putzig an: guckstu hier, ein Wesen vom fremden Stern, ob es Katzen frißt oder nach Hause telefonieren will? Naja wird sich hier schon einfinden, sonst bekämpfen wir es, und wie in jedem Film und immer und überall gibt es irgendwann ein gutes Ende. Klappe, die Schlußszene bitte, alles easy.

Aber sich wie ein Alien zu fühlen, ist nur selten putzig und auch nicht so frei, wie es sein könnte. Oft ist es einfach nur brutal, denn da ist kein Raumschiff, nirgends.

Irgendwann träumte ich, in einem vollen Hotel zu sein. Alle Tische im Speisesaal belegt, für mich ein Platz reserviert an einem besetzten Tisch. Ich gucke hin, möchte aber nicht stören. Und bevor der da sitzende Mann mich lächelnd einladen kann, meinen Platz einzunehmen, gucke ich schon wieder weg und ziehe mich resigniert, aber bestimmt, zurück, um auszuchecken und an der U-Bahn einen coffee-to-go zu kaufen. Der Mann ist verwirrt, oder auch verärgert, oder auch traurig. Und ich bin auch traurig, aber ich hab keine Zeit dafür.

So fühlt sich das an: nicht mehr dran glauben, daß da ein Platz ist, und die Traurigkeit sammelt sich so lange irgendwo still an, bis plötzlich die Depression da ist oder Schlimmeres.

Als Autist nehme ich mehr Detail als Kontext wahr, ich kann es, muss aber mehr Details aufnehmen und integrieren als NichtAutisten. Auf jeder Ebene: in der sensorischen Verarbeitung des Aussen, was dann meine soziale Wahrnehmung formt, die eben auch gesplittet ist und oft keinen ruhigen Fluss ergibt. Angefangen bei Gesichtsblindheit, weiter gehend damit, dass ich schlecht einschätzen kann, wie mich der andere sieht und welchen Gesamteindruck ich mache, ob ich geschätzt werde,  und endend dabei, daß mir nicht immer klar wird, welchen Status eine Bekanntschaft gerade hat oder ob gerade eine Freundschaft existiert. Ich nehme vermutlich auch meinen Körper mehr in Einzelteilen wahr, das ist nicht so deutlich im Alltag, wirkt sich aber in der Motorik aus. Und ich bilde mir ein, dass diese wenig ganzheitlichen Feedbacks dazu führen, dass ich mich selbst wenig als „runde“ Person in einem „abgrundeten“ Umfeld erlebe, und ich bilde mir ein, das ergibt dieses schwebende Gefühl, immer neben den anderen, „in meiner eigenen Welt“, wie es so dämlich heißt…

Ich erlebe jeden Tag bei meinen Patienten, wie Depression entsteht, und bei mir ist es nicht anders: dann, wenn man aufgibt, genau dann. Wenn man sich zurücknimmt, seinen Platz und seine Ansprüche nicht mehr wichtig nimmt, sich isoliert oder sich nur noch mit dem beschäftigt oder nur noch das kultiviert, was gelobt und gebraucht wird. Dann geht das Selbst zwar nicht verloren, aber es wird auf Eis gelegt.

Bitte, TUT DAS NICHT. Erdet euch: tut jeden Tag etwas, um euch zu spüren, um ihr selbst zu sein. Sorgt für Freude, für Schönheit, und macht jeden Tag etwas Unangepasstes. Und so, wie ihr andere als „einfach da“ und „einfach ok“ anseht, so versucht, euch selbst zu sehen.

Ihr seid von der Erde und das ist euer Platz.

Quickshot /Hunter

Neulich hätte ich mir eine schöne Jobidee gefunden.

Ich war im Zoo, alleine. Es war nicht so viel los, kurz nach der Öffnung morgens. Nach ungefähr einer halben Stunde beschloss ich, Zooführer zu werden, und dafür bezahlt zu werden, den anderen Besuchern zu erklären und zu zeigen, wo im Gehege der Papagei sitzt, die Schlange, der Leguan etc.. Während die meisten Menschen nämlich laut plappernd sich gegenseitig fragten „Ja wo ist er denn“, beobachtete ich das Tier schon lange ganz still.

Meine Eltern sind nie in den Zoo, nie spazieren oder wandern gegangen. Es kam die Ehe, dann kamen die Kinder, wir waren oft miteinander unterwegs. Tatsächlich war ich selbst aber ganz selten mal alleine spazieren, und jetzt war ich das erste Mal ganz alleine und mit viel Zeit im Zoo.

Wie gesagt, es war noch relativ ruhig dort. Ich hatte Zeit, mich auch selbst zu beobachten und war völlig perplex.

Ich wußte schon, daß ich mein Auge auf viel mehr „Nebensächlichkeiten“ richte, als zum Beispiel mein Mann. Ich wandere auf ein Ziel hin, ich freu mich auf das Ziel, aber ich sammel auch Eindrücke von Blumen und Tieren. Auch auf Fotos, wenn man mir nicht (wie normalerweise) mit Ungeduld begegnet. Aber mir war nicht klar, wie sehr meine Wahrnehmung auf Details eingestellt ist.

Das Insekt im Augenwinkel, der Geruch, der alle paar Meter wechselt, die eine Pflanze, die ich liebe und die sich plötzlich hervorduckt. Die Strukturen von Blüten, die Abweichung im Farbton, die mir verrät, wo ich im Gehege suchen muß. Der Bewegungsablauf im Detail, der dafür sorgt, daß ich von stetigen Chamäeleons, leisen Tigerpranken, sogar vom Muskelspiel einer Python hypnotisiert bin. Mit den Menschen hab ich nichts zu tun, und trotzdem schwappen mir Eindrücke ins Gesicht wie eine kalte Dusche. Stimmungen, Blicke, alles landet hoch intensiv bei mir.

Es ist ein Unterschied, davon zu lesen, daß das bei Autisten so ist. Oder das zu erleben.

Ich bin nicht mehr die Jüngste, also sind mein Gehör und mein Sehvermögen eh schon vermindert, im Vergleich zu früher. Trotzdem war ich gestern von den Eindrücken voll in Beschlag genommen. Ich fragte mich, wie ich auch nur eine Schulpause im Hof, bei Gekreische und Durcheinander, überlebt habe. Wahrscheinlich durch automatisches Abschalten und in die Ecke schauen. Ich weiss es nicht.

Ich hab versucht, mich bei diesem Zoobesuch von den ganzen Infotafeln fernzuhalten und mich  auf die Tiere zu konzentrieren, und weil ich nicht agelenkt war, konnte ich ganz in den Eindrücken versinken. In der Fledermaushöhle still stehen und die Flugbahnen verfolgen. Oder dem Luchs ins Auge sehen, minutenlang haben wir uns fixiert. Ich fühlte mich plötzlich wie ein Jäger, wie jemand, der seine Sinne geschult hat, um Fährten zu lesen und Zeichen zu deuten.

Ja, das ist jetzt übertrieben. Aber ich hatte eine Ahnung bekommen, wie das sein könnte, allein, auf Jagd, mit allen Sinnen auf Empfang, und es war ein sehr, sehr schönes Empfinden.

Quickshot /Was ich wirklich brauche

Ein kurzer Text, es geht nur um das vergangene Wochenende. 1,5 Tage davon, um genau zu sein.

In dieser Zeit war zwar Anstrengung dabei, da ich gestern Hunderte Kilometer gefahren bin, Terminunklarheit, neuer Ort etc etc. Aber die Anstrengung daran bedeutet im Nachhinein fast nichts. Denn ich bekam so viel von dem, was ich im Alltag so leicht vergesse und doch brauche. Mehr als die #3gutenDingedesTages…

Ich besuchte einen Ort, für mich, der mit meiner Jugend verknüpft ist. Eingedenk des Klaasentreffens, auf dem ich letztens war, mit einem positiven Gefühl, ein kleines Stück Identität neu einzuordnen.

Ich machte einen langen Spaziergang mit meinen autistischen Söhnen, eine absolute Seltenheit, die nur des Ziels wegen funktionierte, denn wir besichtigten etwas. Und weil wir nur zu dritt waren, wurde er wunderschön in dem Sinne, daß wir uns – da auch niemand in der Nähe war – 2 Stunden lang richtig austauschen konnten. Nein, keine Psychogespräche. Aber die Jungs konnten ihre Themen, ihre Gedanken, mal ausbreiten, ohne von Ungeduld und Augenrollen gestoppt zu werden. Wir konnten unseren eigenen, ruhigen, sachlichen Ton pflegen. Man kann sich auch ruhig widersprechen oder ein Thema begrenzen. Das tat richtig gut, bestimmt auch den beiden.

Wir kochten abends spontan „schwedisch“, und auch das liebe ich: das Gefühl, wenn die Kinder sich gerne dazusetzen, weil sie sich freuen und es ihnen schmeckt. Da bin ich ganz Mama…

Mein Sohn haßt Fußball, aber wir kennen uns, und wir machten gestern Späße darüber, statt uns gegenseitig überzeugen zu wollen, auf die andere Seite zu wechseln.

Ich habe wieder gemerkt, wie seit ein paar Wochen, daß ich Spaß habe, lange zu lesen und mir einen ganzen Nachmittag dafür Zeit zu nehmen. Ich könnte mich zu Besuchen zwingen, aber Kontakt habe ich weiß Gott genug ohne mein Zutun, genug nach meinen Kräften gemessen. Kann das jemand verstehen, wie schön es ist, die Ruhe zum Lesen wieder zu entdecken? Das war seit der Geburt der Kinder nicht mehr da.

Und heute Mittag saß ich im Garten, und es war ruhig, und ich hörte nur und schaute nur. Plötzlich eine Bachstelze, da eine Drossel, beide lange nicht gesehen. Und ein Gefühl von Entspanntheit, nein, von Ruhe und Tiefe. Ich genoß das pure Sitzen und Wahrnehmen, das Versinken in Details, die aus den Gartenecken kamen.

Und das ist, was ich wirklich brauche: Zeit. Zeit, zu mir zu kommen, mein Selbst wieder zu spüren. An meinem Selbst auch Freude zu haben, statt wie im Alltagstrott dem Nachzuhetzen, was alle Welt von mir verlangt. Und mich dann mit neuer Kraft und mit Überlegung auf den Sturm der Woche vorzubereiten.

 

Gedankensplitter /Die Musik macht den Ton…

…oder wie sind wir alle so kindisch geworden?

Ich bin alle paar Wochen bei einer Art Frauenstammtisch. Nach dem letzten Treffen war ich ein paar Tage wie erschlagen. Schon nach den ersten Minuten dort wollte ich sofort wieder weg, es war so laut, so kreischig und überdreht. Es ist immer so, dass ich nach der ersten Stunde abbaue und nur noch durchhalte, aber diesmal war es ein einziges „Hoffentlich-ist-es-bald-aus“.

Ich verstand erst später, warum. Sonst treffen wir uns im Lokal, diesmal war es privat, im Garten. Und im Lokal achten die Frauen wohl darauf, nicht zu laut zu sein. Im Garten dagegen hielten sie sich nicht zurück. Nicht mit der Lautstärke, nicht mit dem Ton, in höchsten Tönen wurde gequietscht und gekreischt, schneidend, ich empfand es als Schmerz hinter den Ohren. Leider hielt auch keine mehr mit fremdenskeptischen Äußerungen hinter dem Berg.

Aber, meine Damen, seid Ihr euch sicher, dass ihr das alles so wollt?

Ich saß bei euch, sah euch zu, und sah nur oberflächliche Zufriedenheit. Gerade du, liebe Gastgeberin, hast du deine Meinung gesagt oder nur deinen Mann zitiert, der nur sich selbst und seinen bayerischen Dorfhabitus gutheissen kann? Hat sich eine von euch wohlgefühlt an diesem Nachmittag und irgendetwas gesprochen, was von Belang war? Und wenn nicht, und ihr wart offensichtlich nicht entspannt, warum tut ihr das?

Paradox ist, im Lokal sind die Gespräche ernsthafter, das Zusammensein gemütlicher und der Austausch bringt etwas, obwohl der Raum nicht privat ist…

Und ja, die Fremden.

Ich verstehe: dass menschliche Gewalt bedrohlicher ist als Autounfälle etc.. Denn ein Mensch, der sich für den Terror entschieden hat, wird seine Möglichkeiten aktiv nutzen, zur Tat zu kommen. Und er will anderen Menschen schaden. Diese ganzen Vergleiche, das ganze Aufrechnen, gegen andere Gefahren, gegen anders motivierte Gewalt, bringen nichts. Gegen ein Unglück kann man sich schlecht schützen, gegen absichtliche Gewalt, die einen selbst persönlich bedroht, vielleicht doch. Angesichts menschengemachter Gewalt ist menschlicher Zusammenhalt wichtig, das verstehe ich auch. Sich abzusichern: seht ihr das auch, lehnt ihr das auch ab, wehren wir uns gemeinsam? Und gleich reden, gleich argumentieren, das fühlt sich doch schon mal nach Unterstützung an.

Ich verstehe nicht: warum denkt ihr, eure Kreischargumente seien Argumente? Ich kann keinerlei Logik erkennen. Ja, mehr Menschen bedeuten mehr Straftaten, gewaltgewöhnte, traumatisierte junge Männer sind hoch gefährlich. Aber sonst? Ich kann eure Argumente nicht mal mehr erinnern, ich erinnere nur noch einen Eintopf, der alle paar Minuten umgerührt wurde, und die gleichen Kartoffelbrocken wurden von einer auf die andere Seite und wieder zurück gewendet. Alles gleich versuppt, Kopftücher, Ramadan, japanische Touristen, Sprachschwierigkeiten, Frauenverachtung. Ich höre nur „so geht das doch nicht, das muss so wie wir!“

Ich gestehe aber auch: ich ärgere mich selbst jeden Tag ein paar Mal über mich selbst, wenn ich auf die gleichen Argumentationsschienen verfalle. Weil sie sich sofort richtig anfühlen, mich bestätigen, den wohlbekannten Effekt erzeugen: guck, der da, so doof, wie kann man so blöd sein, wie gut, daß wir die Gescheiten sind. Ich ärgere mich über jeden Post, den ich like oder weiterverbreite, und der doch nichts anderes ist als Häme, Herabsetzung oder schiefer Vergleich.

Und dieses, in meinen Augen, kindische (nicht!! kindliche), emotionale, unlautere Verhalten wird einem leicht gemacht. Es ist nur die Zeit für kurze statements, schon ein 2 Minuten Video oder Text geht sich selten aus, komplexe Gedankengänge müssen schon im Ansatz bekannt sein, sonst gehen sie unter. Man setzt sich aber unter Druck, sofort mit einer Meinung zu reagieren, wenig ist lästiger als einen tweet von vor zwei Tagen nochmal zu suchen, weil man sich die Zeit genommen hat, zu reflektieren. Und die ganzen scheinbaren leichten Opfer, die Nazis mit ihren Rechtschreibfehlern, die geistig beschränkten Aluhütler oder der notorische Trump… die sind doch nur so leicht zu verhöhnen, weil immer wieder die gleichen Schwachpunkte vorgeführt werden, in Dauerschleife. Und was bringt diese Art von „Kritik“? Gar nichts. Wenn man sich auseinandersetzen will, muss man aber den Gegner als Ganzes ernstnehmen. Was würde wohl passieren, wenn man den Versuch ernsthaft wagt? Ich weiss es nicht. Nur, dass es sehr anstrengend sein würde und einem abverlangt, zu überlegen und eigene blinde Flecke zuzugeben. Im Privaten ist das so, und im Politischen bestimmt auch.

Wie gesagt, ich schaffe das auch nicht. Ich gebe die gleichen unlauteren Argumente, die nur scheinbar nutzen, weiter, und spiele also auch mit bei diesem Stück, der Internetmelodie „schnell reagiert ist genug gedacht“, die dann wieder für die anderen den Ton vorgibt…

Quickshot /Glücklich

Was jetzt das wohl genau ist, Glück…

Im Moment jedenfalls für mich ein Thema, das sich plötzlich in mein Blickfeld geschoben hat.

Ich weiss im Alltag nicht genau, was Glück sein soll, ausser so etwas wie gesteigertes oder 100%iges oder absolutes Wohlbefinden. Mehr als Zufriedenheit. Mehr als Dankbarkeit, oder Stolz oder Selbstbewußtsein.

Man sagt, Glück wäre vorübergehend. Oder wäre nur prospektiv oder nur retrospektiv verfügbar. Im Genußtraining heisst es, jetzt oder nie. In Schönredebüchern heisst es, akzeptiere das Jetzt, dann bist du glücklich. Oder beschließe einfach, glücklich zu sein. Nettes Cartoon, das, mit dem Strichmännchen, das sein Glück wie einen Topf Marmelade selbst gemacht hat.

Ist schon auch ein Teil der Wahrheit: Zufriedenheit und Glück kommen nur, wenn man sie läßt, sieht, zumindest nicht wieder selbst zerstört.

Ich kann mich schon an bestimmte Momente erinnern, die tief gingen, und wo ich selig war. Glück ist mir als Wort schon zu groß.

Aber ich bin auch jemand, der die Vielschichtigkeit liebt. Lieber kompliziert, und dafür gibt es immer den Raum für überraschungen, immer noch Potential zu einem anderen: besseren, schlimmeren, und nie kann man sagen: so, jetzt ist Ende. So betrachte ich auch Menschen, auch mich selbst: wir haben so viel in uns, was wir gerade gar nicht wissen, und trotzdem ist es da. Kein Wunder, daß über mich gelästert wird, ich wäre ein „Gutmensch“- naiv und zu optimistisch, aber eben eher optimistisch.

Jedenfalls, heute war ich am Markt, wartete am Bio-Stand, vor mir eine befreundete Lehrerin, mit der ich einen kurzen smalltalk hielt. Setzte mich wieder ins Auto und fand plötzlich, daß ich nicht materiell reich, aber doch privilegiert bin. Ich guck nicht auf den Euro. Ich habe mir ein sehr sicheres Leben aufgebaut, einen kultivierten Freundeskreis, es gibt Menschen, die mich achten. Ich bin „wer“. Auch wenn ich den Job verlieren sollte, ginge es irgendwie weiter. Da ist schon viel Dankbarkeit.

Da ist Stolz, auf das, was ich geleistet habe und auf meine Fähigkeit, immer wieder die Faust zu ballen und mich selbst in den Hintern zu treten.

Und trotzdem ist Glück noch mehr, und manchmal entsteht es auch plötzlich und unvermutet.

Neulich ging ich in einen türkischen Supermarkt. Ich kaufte nur eine Süßigkeit. Und fühlte mich plötzlich glücklich.

Warum?

Weil ich schon länger dahin wollte, und mich spontan entschloss? Neu und aufregend und sich gönnen, ja. Der Geruch, die Sachen. Ok. Ich hatte frei gehabt, und auch mal wirklich den Kopf frei gehabt, nichts gemacht, den Garten beobachtet, nichts gedacht. Das brauche ich, mal einen völlig leeren Kopf und die Gedanken sinken lassen, nur, um zu sehen, was dann in den Kopf kommt.

Aber auch, weil ich plötzlich aus dem deutschen Jetzt raus und im türkischen Jetzt drin war. Ich bin in einem Wohnblock aufgewachsen, viele Migranten. Der Geschmack eines Sesamkorns reicht, in mir die Erinnerung wachzurufen. An Wärme, Lachen, Herzlichkeit. Ich meine nicht Sorglosigkeit oder Harmonie. Ich meine eine Atmosphäre, in der dazugehört, dass Menschen selbstverständlich Fehler machen, in der nicht alles genau sein muss. Aus der Fremde heraus sind andere Fremde willkommen, es gibt nichts zu verteidigen. So kenne ich das. Wenn alle gleich wenig haben, muss man sich nicht mit Besitz beweisen. Nennt das sozialromantisch – so ist meine Erfahrung.

Das machte mich glücklich. Plötzlich diese Wärme wieder zu spüren, und Fremdheit, die nicht sofort wieder deutsch und klein beargwöhnt wurde. Sondern einfach war. Nicht besser und nicht schlechter.